Stellungnahme von Dr. Thomas Gabrio

Regierungspräsidium Stuttgart - Landesgesundheitsamt/Abt.9/Ref.96 U

Schimmelpilzlabore haben eine hohe Verantwortung

Schimmelpilzbefall,
verursacht durch Feuchteschäden, stellt seit Jahren eine der Hauptinnenraumbelastungen dar. Maßnahmen zur Verbesserung des Wärmeschutzes in Altbauten, wie der Einbau dichtschließender Fenster ohne gleichzeitiger Wärmedämmung der Außenfassade, ist eine Ursache dafür, dass in Innenräumen häufiger ein Schimmelpilzbefall auftritt.

Andere Gründe sind der Einbau feuchter oder ungeeigneter Baumaterialien, der zu schnelle Bezug von Neubauten sowie Baumängel. Die Schimmelpilzproblematik besitzt aber nicht nur aus diesem Grund in der breiten Öffentlichkeit einen so hohen Stellenwert.

Ein Vorteil unserer modernen Mediengesellschaft ist, dass sich jeder schnell über jedes Problem informieren kann. Der Nachteil dabei ist, dass jede Information ungeprüfte Verbreitung finden kann. Die Möglichkeiten der neuen Medien werden oft missbraucht, um über Halbwahrheiten und die Erzeugung von Ängsten Geschäfte zu machen. Viele sind daher trotz der mannigfaltigen Informationsmöglichkeiten nicht in der Lage, Risiken sachgerecht einzuschätzen und Konflikte angemessen zu lösen.

Wegen der Unfähigkeit und des Unwillens Verantwortung zu übernehmen und verantwortlich zu handeln, wird eine Konfliktlösung oft zusätzlich erschwert. Die aufgeführten Probleme sind nur durch eine Versachlichung der Schimmelpilzproblematik zu lösen. Deshalb kommt Schimmelpilzsanierungsfirmen, Bausachverständigen, Baubiologen, mykologischen Laboren usw. eine besondere Verantwortung zu. Liegt ein Schimmelpilzbefall vor, bedürfen die Betroffenen sachlicher Information, einer Information durch die nicht Angst geschürt, aber durch die auch eine real vorhandene Belastung nicht bagatellisiert wird. Wichtig ist dabei, dass die verschiedenen Fachleute ihre Arbeit verantwortlich und mit hoher Qualität durchführen. Dabei sollten sich die verschiedenen Fachdisziplinen nur zu den Problemen ihres Fachbereiches äußern. Eine gesundheitliche Bewertung eines Schimmelpilzbefalls obliegt also dem Arzt. Nur er kann beurteilen welche gesundheitliche Bedeutung einem vorliegenden Befall zukommt. Die gesundheitliche Auswirkung eines Schimmelpilzbefalls ist vor allem von der Disposition der betroffenen Personen abhängig. Für Allergiker ist z. B. die allergische Wirkung eines Schimmelpilzes besonders relevant. Für Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist, weil sie z. B. eine Organtransplantation hinter sich oder ein Krebsleiden haben und eine Chemotherapie bekommen, ist die infektiöse Wirkung besonders kritisch. Seitens des untersuchenden Labors bedarf es dazu häufig der fachlichen Information z. B. des Arztes, des Sachverständigen usw. über die Eigenschaften der nachgewiesenen Schimmelpilzarten. Es gibt eine Reihe kompetenter und sachlicher Informationsschriften sowie Handlungsanleitungen zum Thema „Schimmelpilze“.

Umweltbundesamt

  • Leitfaden zur Vorbeugung, Untersuchung, Bewertung und Sanierung von Schimmelpilzwachstum in Innenräumen, 2002
  • Leitfaden zur Ursachensuche und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen ("Schimmelpilzsanierungs-Leitfaden"), 2005
(siehe Links)

Empfehlung des Robert Koch-Instituts

Mitteilung der Kommission „Methoden und Qualitätssicherung in der Umweltmedizin“

  • Schimmelpilzbelastung in Innenräumen - Befunderhebung, gesundheitliche Bewertung und Maßnahmen
(siehe Links)

Regierungspräsidium Stuttgart, Landesgesundheitsamt

vormals Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg

  • Handlungsempfehlung für die Sanierung von mit Schimmelpilzen befallenen Innenräumen, (Neuauflage Februar 2006)
  • Abgestimmte Ergebnisprotokolle der Arbeitsgruppe „Analytische Qualitätssicherung im Bereich der Innen­raumluftmessung biologischer Schadstoffe“ am Landesgesundheitsamt Baden Württemberg 14.12.2001 (Neuauflage Dezember 2004), Schimmelpilze in Innenräumen – Nachweis, Bewertung, Qualitätsmanagement
  • Risiko Schimmelpilze - Was kann ich tun? - Faltblatt Mai 2005
  • Sanierung bei Schimmelpilzbefall - Was muss ich beachten? - Faltblatt Mai 2005
  • Netzwerk Schimmelpilzberatung Baden-Württemberg–Informationsschrift Oktober 2007
(siehe Links)

Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena)

  • Gesund Wohnen durch richtiges Lüften und Heizen
(siehe Links)

Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft

  • Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung nach Biostoffverordnung (BioStoffV) „Gesundheitsgefährdungen durch biologische Arbeitsstoffe bei der Gebäudesanierung“ BGI 858
(siehe Links)

VDI 4300 Richtlinie Blatt 10

  • Messen von Innenraumluftverunreinigungen - Messstrategie bei der Untersuchung von Schimmelpilzen im Innenraum
(siehe Links)

VDI-Richtlinie 6022

Hygiene in raumlufttechnischen Anlagen

Trotz der vielen vorliegenden Informationsmaterialien ist es wichtig, dass in Form eines Internetforums Einzelfragen im Bereich der Schimmelpilzproblematik diskutiert werden, wie z. B. bezüglich des Nachweises von Schimmelpilzen:
  • Welche Aussagekraft haben die verschiedenen Methoden des Schimmelpilznachweises und wann sollte welche Methode angewandt werden?
  • Was ist bei der Probenahme von Schimmelpilzproben zu beachten?
  • Mit welcher Messwertunsicherheit ist welche Methode zum Schimmelpilznachweis verbunden?
  • Worauf lässt das Vorkommen bestimmter Schimmelpilzarten schließen?
  • Worüber sollte ein mykologisches Labor beim Auftreten einer speziellen Schimmelpilzart andere Fachdisziplinen informieren?
  • Nach welchen Kriterien sollte die Relevanz eines Schimmelpilzbefalls auf bzw. in Baumaterialien beurteilt werden?
  • Wann und wie sollte nach einer Sanierung kontrolliert werden, ob die Sanierung sachgerecht ausgeführt wurde?
  • Woran ist die Qualifikation eines mykologischen Labors zu erkennen?
  • Was sollte ein mykologisches Gutachten enthalten?
Durch die Diskussion entsprechender Themen können Labore ihre Kompetenz unter Beweis stellen und gleichzeitig Betroffene beraten, angemessen in einer entsprechenden Situation zu reagieren.

Eine offene Diskussion zu den genannten und weiteren Themen würde zur Versachlichung der Schimmelpilzproblematik beitragen und sie wäre auch hilfreich, die noch offenen Fragen zu lösen. Schimmelpilzlabore sollten sich darüber im Klaren sein, dass sie eine hohe Verantwortung ihren Kunden gegenüber haben. Aus ihren Untersuchungsergebnissen leiten sich Schlussfolgerungen mit großer finanzieller Tragweite ab. Es ist aber nicht nur an den finanziellen Aufwand für die Sanierung zu denken, sondern auch daran, dass Betroffene einen Anspruch darauf haben, in gesunden Innenräumen zu leben, zu arbeiten bzw. zu leben.

Andererseits ist aber auch zu bedenken, dass eine unsachgemäße dramatisierende Darstellung eines vorliegenden Befundes zu einer Emotionalisierung des Konfliktes führt, die Betroffene in unbegründete Ängste versetzt und unfruchtbare Rechtsstreite provoziert. Wer ein „Geschäft mit der Angst“ verfolgt, zerstört auch Lebenswert.

(siehe Links)